«Wenn man von der schwarzen Stimme aus Schwaben spricht, dann ist das nicht übertrieben, denn Roger Röger hat ein Timbre, das ihn zum unnachahmlichen Blues- und Soulsänger macht.»

«Bis dann wieder diese Stimme unsere ganze Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt, dieses Blues-Bellen, dieser wehmütige Unterton, der hinter der rauen Schale eine eher sensible Seele vermuten läßt. Für Rögers Version des Beatles-Klassikers "Come Together" müßte Paul McCartney dem Manne anstandshalber Tantiemen zukommen lassen,...»

«Das Publikum im Waldhaus auf dem Ebersberg ist ergriffen. Denn der seit vier Jahren in Althütte wohnende Blues- und Jazzsänger überzeugt nicht nur durch seine ausdrucksstarke, tiefe Bluesröhre. Da ist noch etwas anderes. Es sind seine innersten Gefühle, sein Mitgefühl, seine Freude, seine Ehrlichkeit, die bei der Interpretation bekannter Soul-, Blues- oder Jazztitel mitklingen.

Auch eine Tonleiter: Röcheln, röhren, rögern

Roger Röger & Friends im Jazzclub Armer Konrad

Roger Röger inmitten seiner Band: ein Fels in der Rhythm'n'Blues-Brandung. Erster und Chef von lauter gestandenen Cracks (darunter Martin Giebl, E-Piano, oder der vielgefragte Bassist Christoph Dangelmaier) und Autorität in Person, wie er da Handzeichen gibt, die Spannung steuert, Einsätze diktiert, über den Groove gebietet. In der Pause schreibt er Autogramme, macht die Honneurs - nicht gerade ein Strahlemann, aber einer, der weiß, was er kann.

Wer den Sänger aus Althütte, für viele nach Kooperationen mit unter anderen Ack van Royen oder Peter Herbolzheimer "die schwärzeste Stimme Schwabens", jetzt beim Gig mit seinen "Friends" in Beutelsbach beobachtete, könnte meinen, hier stehe und singe einer, für den der Blues nur das Beste zu bieten hatte.

Stimmt so aber überhaupt nicht. Röger, im JAK-Keller seine Leibesfülle wie stets mit Hosenträgern im Zaun haltend, hat einiges mitgemacht, etwa als Wirt der legendären Jazz-Kneipe Rogers Kiste, wo er neben der offenen Flasche Schnaps auch immer ein Mikro versteckt hatte, für spontane Jazz-Sessions mit der Jazz-Creme der Stadt. Danach in langen Jahren des Alkohol-Entzugs und damit verbundener Paranoia. Oder schon als Kind, wie er sich erinnert, als depressives, verschüchtertes Kind, das über seine älteren Brüder die Musik von Louis Prima, Louis Armstrong und Harry Belafonte kennenlernte, lange vor den Beatles oder Stones. Und das erst seine Hemmungen ablegen und an ein besseres, bluesiges Bewusstsein glauben mochte, wenn auf dem Plattenteller Primas "Que sera" lief oder Armstrongs "St. James Infirmary".

Wie gesagt, das ist lange her. Heute guckt Röger bei "Georgia on my mind" irgendwie grimmig, das Gesicht verzogen, passend zum Gitarrensolo von Thomas Kraus, für viele einer der instrumentalen Entdeckungen des Abends. Oder er schaut versonnen ins Leere, etwa bei Slow-Blues-Spielereien seiner "Friends" - depressiv? Eher ein bißchen melancholisch. Aber doch mit der nötigen Sicherheit (sowieso!) und Stärke, um "Let the good times roll" lächelnd mit den Worten anzukündigen, es sei auch bei ihm gelegentlich erlaubt fröhlich zu sein.

Und das sind die Rhythm'n'Blues-Kenner im Jazzclub dann zunehmend, aus gutem Grund. Nicht nur macht die Band als sicher tickende, vital pulsierende Rhythmusgruppe mit gelegentlichen solistischen Sternstunden schwer was her. Sondern da ist diese eigenartige Stimme, eine "verschleimt klingende", wie jemand sagt, die röchelt und röhrt und rögert wie sonst tatsächlich keiner weit und breit.

Rögers Phrasierung besticht zu jeder Sekunde, ein tiefes Wissen um Rhythmus und Ausdruck, das ihn etwa Bill Withers "Lovely day" gegen den Strich singen läßt, ohne des Autors typische Betonung des Refrains, so daß uns die Erinnerung an das Original bleibt, die wir quasi insgeheim mitdenken, und ihm der Triumph, eine völlig eigenständige Interpretation gewagt zu haben.

Ein Klasse-Konzert

Sein raues Organ liegt indes bisweilen etwas daneben, mit diesem tragischen Timbre manchmal, am Ende einer Zeile, nach gescheiterten Intonationsversuchen, ein Timbre so individuell geprägt, das alles wieder gutmacht, auch in gesangstechnischem Sinne. Denn gerade in seinem Genre, dem Blues und Soul, Salsa (ein Stück singt er auf Spanisch, "obwohl ich's eigentlich nicht kann!") und Rock, muß Gesang nicht rein und sauber sein, wie wir ja alle wissen, sondern von Lebenserfahrung geprägt sein. Und davon kann Röger ein Leben lang zehren.

Für viele weitere Klasse-Konzerte wie dem jetzt in Beutelsbach.

Schorndorfer Nachrichten, 15.12.2007